{"id":524,"date":"2018-07-07T15:19:18","date_gmt":"2018-07-07T13:19:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mudokwan.at\/wordpress\/?p=524"},"modified":"2018-07-09T07:46:41","modified_gmt":"2018-07-09T05:46:41","slug":"wiedersehen-macht-freude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wiedersehen-macht-freude\/","title":{"rendered":"Wiedersehen macht Freude"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist der gro\u00dfe Tag. Die BMW ist angekommen und wartet sehns\u00fcchtig auf ihren Fahrer. Umgekehrt auch. Davor aber haben die G\u00f6tter den koreanischen Zoll gesetzt. Und der ist nicht von Pappe. Ein neues Gesetz legt seit Juni fest, dass man als Ausl\u00e4nder in Korea mit dem eigenen Fahrzeug eine begrenzte Zeit lang fahren darf, ohne umst\u00e4ndlich und teuer verzollen zu m\u00fcssen. Gottseidank ist schon Juli. Aber der Papierkram ist abenteuerlich. Wenn man die Japaner die Preu\u00dfen Asiens nennt dann schlagen die Koreaner die Japaner um L\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Zuerst brauche ich eine Versicherung. Geht klar, die war auch in den anderen L\u00e4ndern wo wir durchgefahren sind notwendig. Ein Formular an der Grenze ausf\u00fcllen, die Pr\u00e4mie zahlen (die war manchmal ganz sch\u00f6n happig) und basta. Die erste und die zweite koreanische Versicherung lehnen dankend ab. Die dritte ebenso. Das Risiko, dass es eine Langnase mit dem Motorrad auf die Pappn haut und eine Lawine von Schadenersatzforderungen auf sie zu kommt ist ihnen zu gro\u00df. Bei der letzten arbeitet ein Bekannter meines koreanischen Freundes und der ist ihm einen Gefallen schuldig. Die koreanischen Umgangsformen lassen es nicht zu, dass er meinen Antrag ablehnt, also bewilligt er meine Versicherung. Anschlie\u00dfend geht er zuerst in einen Tempel um die G\u00f6tter f\u00fcr mich gn\u00e4dig zu stimmen und dann in eine Bar um sich zu betrinken.<\/p>\n<p>Die erste H\u00fcrde ist genommen, doch es folgen noch viele weitere. Ohne meinen koreanischen Freund (er war Dekan an einer Wirtschaftsuniversit\u00e4t) h\u00e4tte ich keine Chance gehabt. Den ganzen Vormittag \u00fcber l\u00e4dt er sich Gesetzestexte und Formulare auf seinen PC und druckt sie aus. Dann telefoniert er mit der Frachtfirma, dem Ministerium, dem Zollamt, mit Gott und der Welt, bis er endlich alles zusammen hat was wir brauchen. Beim Zoll erwischt er eine nette Beamtin, die wie meine Tochter hei\u00dft: Sora. Sie sagt uns zu, sich um alles zu k\u00fcmmern, und so fahren wir los.<\/p>\n<p>Als wir im Hauptgeb\u00e4ude des Zolls ankommen ist gerade Mittagspause. Koreaner haben immer Hunger, also gehen wir in die Kantine im f\u00fcnften Stock. Die Leiterin erkundigt sich f\u00fcrsorglich ob der Ausl\u00e4nder &#8211; ich &#8211; auch das koreanische Essen vertr\u00e4gt, und schon stehen wir in der Schlange zur Essensausgabe. Ich habe ein mulmiges Gef\u00fchl. Ich bin von hundert Zollbeamten in Uniform umgeben. Ich denke daran, wie ich vor vielen Jahren immer nach M\u00fcnchen Einkaufen gefahren bin und dann Husch \u00fcber die Grenze nach \u00d6sterreich ohne zu verzollen. Sollte mich das Schicksal jetzt ereilen?<\/p>\n<p>Keine Spur, die Zollbeamten und -innen (es gibt relativ viele M\u00e4dels dabei) sind in ihr Essen vertieft und ahnen nicht welcher Schmuggler hier bei ihnen sitzt. Als alle satt sind besuchen wir Sora. Nat\u00fcrlich fehlen noch irgendwelche Kopien, die wir aber rasch besorgen. Sora muss das Motorrad besichtigen und fragt, wo es ist. Das wissen wir nicht, denn auf den vielen Papieren die ich bekommen habe steht es nicht drauf. Der Zollhafen von Incheon ist gro\u00df und daher telefonieren wir mit der Frachtfirma. Die sitzt in Busan, vierhundert Kilometer s\u00fcdlich, und wei\u00df es auch nicht. Sie will sich aber erkundigen. Also warten wir im Erdgeschoss, wo gerade die Wiederholung eines WM-Fussballspiels von gestern auf dem Fernseher l\u00e4uft. Ein paar Beamte haben scheinbar nichts zu tun, denn sie sitzen entspannt vor uns. Als England dann auch in der Wiederholung gewonnen hat kommt der R\u00fcckruf der Frachtfirma. Hurra, sie haben das Motorrad gefunden und fragen beil\u00e4ufig ob wir ihre Rechnung schon bezahlt haben. Nat\u00fcrlich nicht, denn normalerweise erledige ich das bar, wenn ich Sachen vom Zoll abhole. Geht hier aber nicht, sondern muss von einem koreanischen Bankkonto einbezahlt werden. Ich habe kein koreanisches Bankkonto, deshalb springt mein Freund ein und \u00fcberweist von dem Automaten, der praktischerweise gleich daneben steht. Kurze Zeit sp\u00e4ter hat die Frachtfirma die Best\u00e4tigung zum Zoll gefaxt und der beh\u00f6rdlichen Besichtigung steht nicht mehr im Wege.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Sora und einem anderen Zollbeamten fahren wir zur Spedition etwa drei Kilometer weiter &#8211; und da steht sie: unsere BMW in ihrer Kiste.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-525 size-full\" src=\"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSX_20180707_221034.jpg\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSX_20180707_221034.jpg 640w, https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/PSX_20180707_221034-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Wir packen sie aus und Sora untersucht strengen Blickes alle Taschen und die Seitenkoffer. Mit flinken Fingern lasse ich mein Spyderco Police Messer in meiner Hosentasche verschwinden bevor Sora es erblickt, denn ich habe im Zollformular angegeben keine Waffen oder Messer nach Korea einzuf\u00fchren. Dann sind wir fertig. Fast. Mein Freund f\u00e4hrt noch mit Sora zur\u00fcck zum Zollamt, wo er eine Stunde lang zwischen mehreren B\u00fcros und Geb\u00e4uden hin und herpendelt. Was er dort gemacht hat will ich gar nicht so genau wissen. Wir warten. Die BMW ist gleich angesprungen und steht noch auf der Palette. Dann kommt mein Freund zur\u00fcck und wir wollen los. Halt! Zuerst die Lagergeb\u00fchr bei der Spedition bezahlen inklusive Entsorgungsgeb\u00fchr f\u00fcr die Verpackung aus China. Die darf n\u00e4mlich nicht wiederverwendet werden, damit sich keine b\u00f6sen chinesischen W\u00fcrmer in Korea ansiedeln. Die b\u00f6sen chinesischen W\u00fcrmer die schon in den letzten drei Tagen aus dem Holz ins Lager gekrochen sind haben Gl\u00fcck gehabt.<\/p>\n<p>Dann ist es soweit. Unglaublicherweise haben wir alle Formalit\u00e4ten an einem Tag erledigt (danke, Oh Woo!) und wir machen uns auf zwei R\u00e4dern auf die R\u00fcckfahrt nach Ilsan, einem Vorort von Seoul, wo wir bei unseren Freunden wohnen. Das dauert etwas l\u00e4nger, denn in Korea d\u00fcrfen Motorr\u00e4der nicht auf Autobahnen oder Schnellstra\u00dfen fahren und so weist uns das Navi den Weg durch den Stadtverkehr. In den n\u00e4chsten Tagen werden wir nach Jeonju und Iksan fahren um Freunde und Familie zu besuchen. Zuvor geht es aber noch ins Kukkiwon, das Taekwondo-Hauptquartier, um unsere lange Reise offiziell abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der gro\u00dfe Tag. Die BMW ist angekommen und wartet sehns\u00fcchtig auf ihren Fahrer. Umgekehrt auch. 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