{"id":306,"date":"2018-05-10T17:35:42","date_gmt":"2018-05-10T15:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mudokwan.at\/wordpress\/?p=306"},"modified":"2018-05-10T17:35:42","modified_gmt":"2018-05-10T15:35:42","slug":"das-kgb-verhoer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/das-kgb-verhoer\/","title":{"rendered":"Das KGB-Verh\u00f6r"},"content":{"rendered":"<p>Von Duschanbe f\u00fchrt die M41 nach Osten und dann s\u00fcd\u00f6stlich nach Chorugh. In der Bikerwerkstatt haben wir erfahren dass das die harte Route ist und nachdem wir das Foto von der KTM des russischen Kollegen im Schlamm gesehen haben waren wir sicher: dort fahren wir nicht. Wir sollten daher von Duschanbe gleich s\u00fcdlich fahren und in einem Bogen dann wieder nord\u00f6stlich nach Kulob. Die Stra\u00dfe ist gut, hat man uns gesagt, nur von Kulob nach Chorugh ist ein St\u00fcck Sandstra\u00dfe. Auf der Karte sehen wir dass diese Strecke nahe der Grenze zu Afghanistan liegt, aber der Pamir Highway im sp\u00e4teren Verlauf geht ja auch direkt an der afghanischen Grenze entlang.<\/p>\n<p>Wir fahren also los und die Stra\u00dfe ist wirklich nicht schlecht. Ziemlich eben f\u00fchrt sie durch ein gro\u00dfes Tal und durch viele kleine D\u00f6rfer und St\u00e4dte. In Qurghon-Teppa sehen wir einen Wegweiser nach Kulob, unser Navi will aber weiter s\u00fcdlich fahren. Ich \u00fcberpr\u00fcfe die Karte am Handy und sehe dass hier eine kleine Stra\u00dfe \u00fcber die Berge direkt nach Kulob geht. Wir beratschlagen kurz und sind uns einig: wir fahren keine kleinen Nebenstra\u00dfen \u00fcber die Berge, auch wenn die hier noch nicht so hoch sind, sie sehen eher wie kahle H\u00fcgel aus. Also weiter dem Navi nach nach S\u00fcden, der clevere Norbert hat das ja im Hotel programmiert. Wie vorgesehen schwenken wir bald danach nach Osten und die D\u00f6rfer werden kleiner, die Stra\u00dfe schlechter. Daf\u00fcr entsch\u00e4digt uns die Landschaft mit grandiosen Ansichten. Die tiefstehende Sonne badet die Berge in goldenes Licht, ein Traum f\u00fcr jeden Fotografen. Pl\u00f6tzlich stehen wir vor einem Schlagbaum. Daneben scheint die Grenze zu Afghanistan zu sein, die Stra\u00dfe geht aber in Tadschikistan weiter. Die beiden Grenzposten lernen wieder unsere P\u00e4sse auswendig &#8211; von Austria hat auch hier noch nie jemand geh\u00f6rt- und schreiben unsere Daten in noch ein dickes Buch. Dann d\u00fcrfen wir weiterfahren.<\/p>\n<p>Es kommen noch ein paar D\u00f6rfer, die Stra\u00dfe biegt wie vorgesehen nach Nordosten ab &#8211; und dann wird es abenteuerlich. Pl\u00f6tzlich sind wir auf einer schmalen Schotterpiste, die sich durch die baumlosen H\u00fcgel schl\u00e4ngelt. Die Gegend ist atemberaubend sch\u00f6n, es weiden Pferde, Schafe und Ziegen ohne sichtbare Hirten und wir fahren einen wilden Slalom, meist im Schritttempo, Mal rauf und Mal runter. Die Schlagl\u00f6cher sind gewaltig, wir kommen an einem F\u00e4hnchen vorbei das mitten in der Stra\u00dfe steckt und ein Loch markiert in dem wir samt unserer BMW als Ganzes verschwinden falls wir hineinfahren w\u00fcrden. Kein Mensch w\u00fcrde jemals wieder von uns h\u00f6ren. Fall die Mutter der turkmenischen Schlagl\u00f6cher das sehen w\u00fcrde, ginge sie weinend in ihre K\u00fcche und k\u00e4me nie wieder heraus.<\/p>\n<p>Ich habe keine Ahnung, wie weit wir so durch die Berge fahren m\u00fcssen, die Alternative ist aber, hier ein Zelt aufzuschlagen, denn mittlerweile naht der Abend. Nach einer gesch\u00e4tzten Stunde &#8211; es ist noch hell &#8211; sehen wir vor uns eine gro\u00dfe Ebene durch die ein Fluss flie\u00dft. Noch etwa zwanzig selbstm\u00f6rderische Kehren auf Schotter und wir sind unten. Endlich wieder Asphalt, da geht es schneller voran, jubeln wir. Zu fr\u00fch, der Asphalt ist nur in Bruchst\u00fccken vorhanden ansonsten Schotter und Steine, wie gehabt. Wenigstens wieder D\u00f6rfer, aber nirgends eine Unterkunft zum \u00dcbernachten. Die n\u00e4chste Polizeikontrolle kommt wie das Amen im Gebet und ich nutze die Gelegenheit um dem Amtsorgan mein inzwischen perfektioniertes Tadschikisch vorzuf\u00fchren: Zeigefinger auf mich und You Song, den Kopf schief in die offene Handfl\u00e4che gelegt und &#8222;Chrrr, Chrrr&#8220; gesagt, dazu ein kreisender Zeigefinger und ein Schulterzucken. Es klappt. Das Amtsorgan antwortet mit zweimal H\u00e4ndeklatschen, einem Schwall Tadschikisch und einem undeutlichen Deuter nach vorne. Das kann nun alles hei\u00dfen, wir \u00fcbersetzen es aber mit &#8222;In zwei Kilometern im n\u00e4chsten Dorf links.&#8220; Etwas Optimismus muss sein.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Dorf &#8211; Parchar &#8211; ist tats\u00e4chlich etwas gr\u00f6\u00dfer und hat sowas wie einen Hauptplatz. Nochmal kurz nachgefragt und schon radelt ein junger Tadschike vor uns bis zu einem stattlichen Haus, das ich als Verwaltungsgeb\u00e4ude der lokalen Konsomolzen oder als staatlichen Hochzeitspalast identifiziert h\u00e4tte. Es ist aber tats\u00e4chlich ein Hotel.<\/p>\n<p>Unser Wunsch nach einem Zimmer erregt allerdings Ratlosigkeit. Auf der Terrasse sitzt ein w\u00fcrdiger Tadschike, anscheinend der Chef, der mir viele tadschikische Fragen stellt. Ich antworte mit dem, was mir gerade einf\u00e4llt und hoffe, dass etwas Passendes dabei ist. Zu uns gesellt sich ein weiterer Tadschike in Uniform, ob Polizist, Gendarm oder Postbeamter kann ich nicht feststellen, und fragt mich ebenfalls viele Dinge. Netterweise bietet er uns von seinem Abendessen an, was wir aber dankend ablehnen. Wir sitzen auf der Terrasse und warten. &#8222;Die werden wohl unser Zimmer herrichten&#8220; denke ich, als uns pl\u00f6tzlich ein junger Mann in Zivil auf Englisch anspricht. Neben ihm steht ein anderer, der ein Gesicht macht wie sieben Tage Regenwetter. &#8222;KGB&#8220; sagt er freundlich, &#8222;Wir h\u00e4tten ein paar Fragen.&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Kein Problem.&#8220; antworte ich, sehe mich aber schon in einer feuchten Zelle sitzen. Es stellt sich heraus, dass wir uns in einem Teil Tadschikistan bewegen, wo wir wegen der nahen Grenze zu Afghanistan nicht sein d\u00fcrften. Nur hat uns das keiner gesagt. Ich biete meinen ganzen Charme auf um zu erkl\u00e4ren warum wir hier und nicht auf der Touristenroute sind und er wirkt. Sie nehmen uns ab dass wir harmlos sind und ermahnen uns morgen m\u00f6glichst direkt nach Kulob und weiter nach Chorough zu fahren, was wir ohnehin vorhaben. Netterweise gibt uns der J\u00fcngere dann auch noch seine Telefonnummer, falls wir unterwegs nochmal Schwierigkeiten bekommen sollten. Das Gesicht des \u00c4lteren ver\u00e4ndert sich immerhin zu sechs Tagen Regenwetter plus ein Tag leichtes Nieseln, bevor er uns Auf Wiedersehen auf Russisch sagt. Warum nur rieselt es mir dabei kalt den R\u00fccken runter?<\/p>\n<p>Als alles gekl\u00e4rt ist bekommen wir unser Zimmer. Kein Vergleich zum Sheraton der letzten Tage, aber es kostet immerhin auch nur ein Zehntel. Mal sehen was uns morgen erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Duschanbe f\u00fchrt die M41 nach Osten und dann s\u00fcd\u00f6stlich nach Chorugh. In der Bikerwerkstatt haben wir erfahren dass das die harte Route ist und nachdem wir das Foto von der KTM des russischen Kollegen im Schlamm gesehen haben waren wir sicher: dort fahren wir nicht. Wir sollten daher von Duschanbe gleich s\u00fcdlich fahren und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/das-kgb-verhoer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDas KGB-Verh\u00f6r\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-306","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-4-zentralasien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=306"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":307,"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306\/revisions\/307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mudokwan.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}