{"id":103,"date":"2021-08-27T23:19:35","date_gmt":"2021-08-27T21:19:35","guid":{"rendered":"http:\/\/mudokwan.at\/downunder\/?p=103"},"modified":"2022-07-29T10:50:41","modified_gmt":"2022-07-29T08:50:41","slug":"die-unendliche-geschichte-und-ein-exkurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mudokwan.at\/downunder\/?p=103","title":{"rendered":"Die Unendliche Geschichte und ein Exkurs"},"content":{"rendered":"\n<p>Mittlerweile &#8211; August 2021 &#8211; stehen wir am Beginn der vierten Corona-Welle und an eine Einreise in das Land der K\u00e4ngurus ist noch immer nicht zu denken. Die ehemaligen ausgesiedelten H\u00e4fenbr\u00fcder haben ihre Gef\u00e4ngnisinsel nun umgedreht und alle anderen ausgesperrt. Kein Tourismus, keine Ausl\u00e4nder, keine Motorrad-Rundreise. Nun ist der Plan auf n\u00e4chstes Jahr (2022) verschoben, wo wir dann (hoffentlich) von Korea aus nach Sydney fliegen und unsere Tour beginnen k\u00f6nnen. Ob das klappt, wissen die G\u00f6tter und die Virologen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich aber schon heftige Motorrad-Entzugserscheinungen gezeigt habe, sind wir heuer drei Wochen lang am und im Mittelmeer herumgefahren. Kroatien &#8211; Italien &#8211; Sizilien &#8211; Sardinien &#8211; Korsika war die Route, mit etlichen F\u00e4hren dazwischen und einem Autozug von Verona nach Wien am Ende, weil ich die Strecke von dort schon kenne und nicht nochmal fahren wollte. Ausgesucht haben wir uns daf\u00fcr nat\u00fcrlich die hei\u00dfeste Zeit seit Jahren und weil das noch nicht reichte, auch noch die Saison der meisten Feuersbr\u00fcnsten seit \u00fcberhaupt in Italien. In Griechenland und der T\u00fcrkei war es zwar anscheinend noch schlimmer, aber uns hat&#8217;s auch gereicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Seid&#8217;s wahnsinnig?&#8220; t\u00f6nte es uns mehrfach entgegen, als wir von unserem Reiseplan erz\u00e4hlten. &#8222;Da unten brennt doch momentan alles!&#8220;. Da unten hat dann schon vieles gebrannt, aber meist waren die Feuer schon ausgegangen oder haben irgendwo auf den H\u00fcgeln ein bisschen geraucht und gelodert als wir vorbeifuhren. Die Italiener waren ziemlich cool und haben sich nicht viel drum geschert, sondern lieber die Str\u00e4nde und die Restaurants bev\u00f6lkert. Ausl\u00e4ndische Touristen waren nicht viele zu sehen und es war kein Problem, jeweils eine Unterkunft zu finden, so unvorbereitet, wie wir immer losfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich am ersten Tag war ich sehr froh, mit dem Motorrad unterwegs zu sein, denn an der Grenze von Slowenien nach Kroatien stauten sich die Fahrzeuge wir zu den seligen Zeiten des Ostblocks. Wir fuhren nat\u00fcrlich auf der Pannenspur nach vorne und waren im Nu durch. Zwei Z\u00f6llner-Schnecken stempelten im Zeitlupentakt die Corona-Ausweise der Einreisewilligen und tippten mit zwei Fingern alle Daten des Reisepasses plus was ihnen sonst noch an den Einreisenden so auff\u00e4llt in einen Amiga-PC. Auf der Gegenfahrbahn war der Stau zwanzig Kilometer lang. Wie wir sp\u00e4ter erfuhren standen die Leute elf Stunden im Stau und \u00fcbernachteten auf der Autobahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hingegen im Hotel Korana in Karlovac, das ich schon von fr\u00fcher kannte. Nach einer erholsamen Nacht startete ich das Ger\u00e4t und fuhr vor den Hoteleingang um das Gep\u00e4ck aufzuladen. Als alles aufgepackt war und wir startbereit auf der Maschine sa\u00dfen dr\u00fcckte ich den Startknopf und &#8211; nix. Schon gestern Nachmittag war mir aufgefallen, dass die BMW auf der Autobahn im sechsten Gang leichte Aussetzer hatte, genug um mir Sorgenfalten auf die Stirn zu zaubern, aber nicht genug um wirklich Probleme zu vermuten. Jetzt standen wir vor dem Hotel in Karlovac und die Kraxn war kaputt. Dabei m\u00fcssten wir heute bis Crvena Luka an die K\u00fcste fahren, wo wir vier Tage in einem Resort gebucht hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das freundliche Hotelpersonal telefonierte um einen Mechaniker. Der kam nach einer Stunde und meinte, er k\u00f6nne nichts machen, wir m\u00fcssten in die Werkstatt nach Zagreb zur\u00fcckfahren, wo sie aber erst wieder am Montag \u00f6ffnen w\u00fcrden &#8211; heute war Samstag. Zu guter Letzt setzte er sich nochmal auf den Bock, dr\u00fcckte den Starter und der Motor erwachte zum Leben, als sei nichts gewesen. Eigentlich war auch nichts gewesen. Ich hatte nur den ersten Gang drin bei meinen Startversuchen, und da springt er eben nicht an.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnfzig Euro f\u00fcr nichts an den Mechanikermeister &#8211; immerhin hatte er den Leerlauf gefunden &#8211; und wir fuhren endlich los. Am Abend  kamen wir auch p\u00fcnktlich in Crvena Luka an. Nach vier erholsamen Tagen an der kroatischen K\u00fcste ging es dann nach Split, von wo wir mit der F\u00e4hre nach Ancona \u00fcbersetzten. Die n\u00e4chsten drei Wochen fuhren wir die italienische K\u00fcste hinunter nach Bari, dann quer durch Italien \u00fcber Tarent an den Zipfel des Stiefels wo wir die F\u00e4hre nach Messina in Sizilien nahmen. Vier Tage in einem Golf Resort an der Flanke des \u00c4tna waren wieder sehr erholsam, bevor wir uns Richtung Palermo aufmachten. Von dort ging es nach Sardinien und nach weiteren drei Tagen nach Korsika.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen unseres vorletzten Tages auf Korsika wollte ich der BMW einen kr\u00e4ftigen Schluck Motor\u00f6l g\u00f6nnen. Immerhin waren wir schon wieder ungef\u00e4hr dreitausend Kilometer gefahren und ein rotes Licht unter dem Tacho glotzte mich schon l\u00e4nger b\u00f6se an. Nat\u00fcrlich hatte ich in einer am Sturzb\u00fcgel montierten Tool Tube Motor\u00f6l dabei (in der anderen transportierten wir Trinkwasser, das aber in der Tageshitze zu hei\u00dfem Teewasser wurde) und so \u00f6ffnete ich den \u00d6lstopfen im Zylinder um nachzuf\u00fcllen. Schon hatte ich den oberen Teil in der Hand, w\u00e4hrend der untere schief im Zylinder hing. Das verdammte Sicherheits-Ding l\u00f6ste sich auf. Ich f\u00fcllte also \u00d6l nach und versuchte dann, das Loch wieder dicht zu kriegen, aber die verbliebene H\u00e4lfte des \u00d6lstoppels fiel immer wieder heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich schien der Stoppel fest zu sein und wir fuhren los. Wir kamen aber nur zwei Kilometer weit, dann wurde der Rest des \u00d6lstoppels mit einem Knall aus dem Zylinder geschossen. Ich erhielt eine \u00d6ldusche und musste sofort anhalten. Unm\u00f6glich, so weiter zu fahren. Nachdem wir eine halbe Stunde lang beide Seiten der Landstra\u00dfe nach dem verlorenen Stopfen abgesucht hatten war klar: den finden wir nicht mehr. Gefunden hatte ich aber einen rechteckigen Gummistopfen und etwa einen halben Meter abgerissenen Zurrgurt. Die Aufgabe war nun, den rechteckigen Gummistopfen in das runde \u00d6l-Nachf\u00fcllloch zu stecken. Ich kam mir vor wie ein Schwachsinniger beim praktischen Psycho-Test. Die RUNDEN Kl\u00f6tze in die RUNDEN L\u00f6cher, Norbert, und die RECHTECKIGEN Kl\u00f6tze in die RECHTECKIGEN. Mal sehen, wie lange Du dazu brauchst.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zehn Minuten Schnitzarbeit mit meinem Leatherman-Werkzeug passte es fast. Dr\u00fcber wurde der Zurrgurt um den ganzen Zylinder gewickelt und festgebunden &#8211; fertig. Die n\u00e4chste BMW Motorrad Werkstatt war in Bastia in etwa hundertzwanzig Kilometer Entfernung und es war klar, dass wir mit dieser Notreparatur nicht soweit kommen w\u00fcrden. Wir kamen aber immerhin zwanzig Kilometer weit bis zu einer Tankstelle mit Werkstatt. Die polyglotte Bev\u00f6lkerung Korsikas spricht perfektes Franz\u00f6sisch, sonst aber nichts. Ich hingegen kann mich in vier verschiedenen Sprachen verst\u00e4ndlich machen, Franz\u00f6sisch kann ich auch ganz gut, nur das Sprechen f\u00e4llt mir schwer. Ich bekam aber mit, dass niemand in der Werkstatt war und die nette Dame im Tankstellenb\u00fcro immerhin einen Abschleppwagen nach Bastia organisieren k\u00f6nnte. Das Angebot nahmen wir gerne an.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abschleppwagen erschien nach einer weiteren Stunde und f\u00fcr wohlfeile dreihundertsechzig Euro kamen die BMW huckepack und wir im F\u00fchrerhaus des Lastwagens nach Bastia zur BMW Werkstatt. Es war Donnerstag und am n\u00e4chsten Tag ging unsere F\u00e4hre zur\u00fcck nach Livorno in Italien. Am darauffolgenden Tag fuhr dann der gebuchte Autozug von Verona nach Wien. Gottseidank in der Werkstatt, dachten wir, geht sich alles locker aus. Denkste.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mechaniker kam, sah und winkte mahnend mit dem Finger. Ts, ts, ts, wie kann man einen \u00d6lstopfen verlieren? Ich verzichtete darauf, ihm den genauen Hergang zu erkl\u00e4ren, schon wegen meiner mangelnden Franz\u00f6sisch-Sprachkenntnisse. Nach zehn Minuten kam dann ein B\u00fcromensch heraus, der auch Englisch konnte und sagte, der \u00d6lstopfen m\u00fcsse bestellt werden. Er kommt dann am Dienstag. Das ging nun aber gar nicht. Am Dienstag mussten wir schon zwei Tage lang in Wien sein, wir w\u00fcrden die F\u00e4hre und den Autozug verpassen. Ich muss aber ganz sch\u00f6n traurig geschaut haben denn kurz darauf wurde mit mitgeteilt, wir bekommen den \u00d6lstoppel einer anderen BMW aus der Werkstatt. Den Bestellten w\u00fcrden sie dann am Dienstag wieder auf das kannibalisierte Motorrad draufschrauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nun eine ganz tolle kundenfreundliche L\u00f6sung, noch dazu wo wir nur den neuen \u00d6lstoppel bezahlten (\u20ac 16.-) und keine Arbeitszeit verrechnet wurde. Deshalb kommt hier auch die tolle BMW-Werkstatt in Bastia vor den Vorhang: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>BMW Motor Bike Bastia, 1653 Av. Sampiero Corso, 20600 Furiani, Frankreich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/partenaire.bmw-motorrad.fr\/bernardinibastia\/\">https:\/\/partenaire.bmw-motorrad.fr\/bernardinibastia\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So erreichten wir am folgenden Tag die F\u00e4hre nach Italien , wo wir nahe Livorno noch ein letztes Mal in einem Hotel am Strand \u00fcbernachteten. Am n\u00e4chsten Tag fuhren wir dann nach Verona und verbrachten die letzte Nacht auf einer schmalen Pritsche im Liegewagen des Autozuges nach Wien, w\u00e4hrend die BMW gemeinsam mit anderen Kollegen gut verzurrt durch die Nacht schaukelte. Sonntag fr\u00fch kamen wir wieder zuhause an.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sieht, man muss nicht nach Australien fahren, um Motorradabenteuer zu erleben. Den \u00d6lstoppel hab ich aber tausendmal lieber auf einer Landstra\u00dfe in Korsika verloren, als im australischen Outback. Ich bin aber sicher, auch dort werden wir von unerwarteten Problemen \u00fcberrascht werden. Weshalb ich auch schon angefangen habe zu lernen, wo man nach Wasser gr\u00e4bt und wie man Insekten am besten zubereiten kann. Be Prepared!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile &#8211; August 2021 &#8211; stehen wir am Beginn der vierten Corona-Welle und an eine Einreise in das Land der K\u00e4ngurus ist noch immer nicht zu denken. 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