{"id":1,"date":"2019-04-28T23:00:14","date_gmt":"2019-04-28T21:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/mudokwan.at\/downunder\/?p=1"},"modified":"2022-07-29T10:42:10","modified_gmt":"2022-07-29T08:42:10","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mudokwan.at\/downunder\/?p=1","title":{"rendered":"Die Vorbereitungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich\nwache auf und meine rechte Hand juckt. Zuerst beachte ich das nicht, aber nach\nein paar Minuten verkrampft sie sich zu einer lockeren Faust und beginnt\nrhythmisch nach oben zu zucken. Gleichzeitig fangen die Finger der linken Hand\nan synchron auf und zu zu schnappen. Ich liege still und ignoriere das alles.\nVergeblich. Jetzt verspannt sich auch noch der linke Kn\u00f6chel und schnappt mit\nden Zehen alle paar Sekunden nach oben. Keine Chance. Ich muss aufstehen und\nein bi\u00dfchen auf und ab gehen um das Gezappel los zu werden. Siebenundsechzig\nJahre bin ich jetzt alt, trotzdem ein wenig fr\u00fch, denke ich, um mit dem\nAlterszipperlein anzufangen. Gottseidank ist meine Frau \u00c4rztin &#8211; und eine gute.\nIch schildere ihr also die Symptome und ihre Augen werden schmal. Noch schmaler\nals gew\u00f6hnlich, denn sie ist Koreanerin. \u201eKommt nicht in Frage.\u201c sagt sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nkenne ich schon. Als ich ihr vor zwei Jahren er\u00f6ffnete, dass wir mit dem\nMotorrad in die Mongolei und weiter nach Korea fahren reagierte sie \u00e4hnlich. Im\nLaufe des Jahres der Vorbereitung auf diese gro\u00dfe Reise wurden ihre\nAbwehrversuche dann immer schw\u00e4cher. Ich bin schlie\u00dflich ein Meister der Taktik\n\u201aSteter Tropfen h\u00f6hlt den Stein\u2018. Schlussendlich hockte sie achtzehntausend\nKilometer lang auf dem Motorrad hinter mir auf dem Sack mit dem Zeltgest\u00e4nge.\nAuf der Sitzbank war kein Platz mehr weil wir nat\u00fcrlich zu viel Zeug\nmitgenommen hatten. Ich liebe sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir schlie\u00dflich nach dreieinhalb Monaten wieder zuhause waren\nhatten wir beide f\u00fcr eine Weile genug vom Motorrad fahren. Die Route \u00fcber den\nPamir Highway und durch die Mongolei war beileibe kein Zuckerschlecken und ich\nwar froh wieder den Gasfu\u00df statt der Gashand bet\u00e4tigen zu k\u00f6nnen. Das gesamte\nAbenteuer m\u00fcndete schlie\u00dflich in ein Reisebuch: \u201eSilkroad 66\u201c (ISBN: 978-3-200-05965-8) und eine Reihe von\nMultimediavortr\u00e4gen in \u00d6sterreich. Jetzt aber liege ich im Bett und die Gashand\njuckt und zuckt. Dazu schnappen die Kupplungsfinger und der linke Schaltfu\u00df.\nKein Zweifel: die BMW ruft.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich nach der R\u00fcckkehr fragten uns nat\u00fcrlich viele, wo wir denn als N\u00e4chstes hinfahren w\u00fcrden. Das war nicht einfach zu beantworten. Meine Sozia h\u00e4tte gesagt \u201eIn die n\u00e4chste Therme. Mit dem Auto.\u201c aber das passte nicht zu meinem neuerworbenen Image als weltreisender Biker. Nach dieser Tour um die \u00f6stliche H\u00e4lfte des Erdballs musste ich etwas \u00e4hnlich Verr\u00fccktes finden. Die Panamericana.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick auf Google Maps zeigt: von Alaska nach\nFeuerland, etwa f\u00fcnfundzwanzigtausend Kilometer aus der K\u00e4lte Alaskas in den mittelamerikanischen\nDschungel und weiter Richtung Antarktis. Super. Ich bin beileibe nicht der\neinzige Wahnsinnige der diesen Trip im Kopf hat. Das schlaue Internet\npr\u00e4sentiert viele Reiseberichte von Leuten, die das schon gemacht haben. Bei\ngenauerer Betrachtung kommt man aber drauf, dass diese Reise noch l\u00e4nger dauern\nw\u00fcrde als unsere Fahrt nach Korea. Ein halbes Jahr sollte man schon einplanen,\nwenn man nicht wie ein Verr\u00fcckter durch Nord- und S\u00fcdamerika Richtung Feuerland\nbrettern will. Das ist f\u00fcr uns aber derzeit noch schwierig. Zwar sind wir beide\noffiziell \u201ain Pension\u2018, arbeiten aber nach wie vor in meiner Sportschule bzw.\nin You Song\u2019s Akupunkturordination. Sechs Monate oder l\u00e4nger abhauen geht\n(noch) nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Alternative bot sich Australien an. Da wollten\nwir ohnehin schon lange hin, weil es der letzte Kontinent ist, auf dem wir noch\nnicht waren. Au\u00dferdem h\u00f6rt man immer Wunderdinge von der fantastischen\nLandschaft und den relaxten Australiern. Down Under also. Und die \u201e68\u201c ist auch\nklar: im geplanten Reisejahr 2020 sind wir beide dann achtundsechzig Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich beginne also meine bessere H\u00e4lfte zart mit australischen Dingen einzuseifen. Da ein lustiger Clip auf Youtube mit einem K\u00e4nguruh \u201eSchau mal das nette K\u00e4nguruh!\u201c, dort ein tolles Foto von einem Luxusresort an der australischen Goldk\u00fcste. Vor dem Schlafengehen spiele ich eine z\u00e4rtliche Melodie auf dem Didgeridoo und die Haare lasse ich l\u00e4nger wachsen und verfilzen um einem australischen Ureinwohner \u00e4hnlicher zu sein. Auf dem Fernseher l\u00e4uft \u201aCrocodile Dundee\u2018 vom Recorder in Dauerschleife (alle drei Teile). Nur die \u201aMad Max\u2018-Trilogie lasse ich wohlweislich aus, weil da k\u00f6nnten bei meiner Gattin ungute Erinnerungen an die Sandpisten in der Mongolei aufkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n langsam beginnt meine List zu wirken. Die\nskeptischen Schnaufer meiner Holden werden seltener und ihre Blicke verweilen\nimmer interessierter auf den vielen Hochglanzfotos australischer\nSehensw\u00fcrdigkeiten, die ich ihr unerm\u00fcdlich vorlege. Um meine G\u00f6ttergattin gn\u00e4dig\nzu stimmen habe ich heute eine neue Sitzbank f\u00fcr BMW gekauft. Die alte war\nschon wirklich hin\u00fcber und mit Panzerband notd\u00fcrftig geflickt. Auf der neuen\nvon Touratech sitze ich zirka zwei Zentimeter tiefer und endlich komme ich auch\nmit beiden F\u00fc\u00dfen auf den Boden wenn die Kiste steht. Da f\u00fchlt man sich gleich\nviel sicherer (das Sicherheitsargument zieht immer bei den Damen). Gleichzeitig\nsitzt You Song jetzt aber etwas h\u00f6her und bequemer. Nochmal achtzehntausend\nKilometer auf einem Sack mit harten Zeltstangen kann ich ihr nicht antun.<\/p>\n\n\n\n<p>Der geplante Reisetermin ist im Herbst 2020. Bis dahin ist noch viel zu tun. Zwar fahren wir diesmal nicht durch siebzehn L\u00e4nder wie 2018 und wir brauchen auch keine sieben Visa. Die d\u00fcnne Luft auf viertausend Metern H\u00f6he im Pamir bleibt uns erspart und so Gott will werden wir keinen kirgisischen Stra\u00dfenr\u00e4ubern mit ihrer Radarpistole begegnen. Stattdessen putzige K\u00e4nguruhs, niedliche Koalas und lachende Kookaburras. (Die giftigen Spinnen, F\u00fcnf-Meter-Krokodile, Haie und Schlangen machen sicher einen gro\u00dfen Bogen um uns). Also: Auf nach Australien!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wache auf und meine rechte Hand juckt. Zuerst beachte ich das nicht, aber nach ein paar Minuten verkrampft sie sich zu einer lockeren Faust und beginnt rhythmisch nach oben zu zucken. Gleichzeitig fangen die Finger der linken Hand an synchron auf und zu zu schnappen. Ich liege still und ignoriere das alles. Vergeblich. 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